Türkiye Cumhuriyeti

Frankfurt Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

3. Türkisch-Deutsches Poesiefestival, 14.09.2014

Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister Swen Gerich,
Verehrte Liebhaber der Poesie, liebe Gäste, Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich möchte Sie alle recht herzlich zu dem Empfang anlässlich des 3. Türkisch-deutschen Poesiefestivals begrüssen und willkommen heissen.
Nachdem die ersten beiden Poesiefestivals in Istanbul stattgefunden haben, ist es für mich eine grosse Freude, heute bei dem diesjährigen 3. Türkisch-deutschen Poesiefestival in Wiesbaden mit Ihnen zusammen zu sein. Ich bin zuversichtlich, dass sich dieses Festival etablieren und zu einer traditionellen Veranstaltung gestalten wird.
Für die Verwirklichung des Festivals danke ich allen Mitwirkenden, insbesondere Herrn Lutz Schauerhammer, der für seinen Einsatz einen grossen Lob verdient und allen werten Künstlern und Partnern, die uns mit Ihrer Anwesenheit beehren.
Kunst ist eine Form, den Gefühlen und inneren Erlebnissen, Ausdruck zu verleihen. Es ist ein menschliches Kulturprodukt, das Brücken schlägt und unterschiedliche Kulturen miteinander verbindet. Zusammenfassend kann man sagen, dass Kunst das Ergebnis eines kreativen Prozesses ist.
Während dieses Festivals, an dem auch Künstler aus der Türkei eingereist sind, wird das Publikum in eine langjährige Zeitreise eingeführt, die zurückreicht bis zu Werken von Yunus Emre und mit Werken aus der Moderne endet. Türkische poetische Werke werden mit deutschen Gedichten gegenübergestellt und Parallelen gezogen. Ich möchte dem Festival einen erfolgreichen Verlauf wünschen und bin davon überzeugt, dass es zu dem gegenseitigen Kennenlernen und Verständnis unserer Kulturen einen grossen Beitrag leisten wird.



Meine Damen und Herren,

Ich möchte zwar nichts vorweg nehmen, aber doch ein bisschen, nach meines Wissens, kurz über die Entwicklung der türkischen Poesie reden.

Das türkische Gedicht hat wie in anderen Ländern/Kulturen auch, seinen Ursprung in religiösen Ritualen, doch die Entwicklung erfolgte ausserhalb der Religion. Die mündlichen Anfänge begannen in Asien unter dem Namen “yır” und wurden zuerst in den Orhon Inschriften (im heutigen Mongolien) und später in dem Wörterbuch “Divanü Lügati Türk” wiedergefunden. Jahrhunderte lang war das Gedicht der Haupterzähler der türkischen Literatur und stand im Vordergrund. Das Gedicht ist das am weitesten entwickelte literarische Genre der türkischen Literatur. Unsere Gesellschaft hat alle ihre schönen Werte mit der warmen Atmosphäre des Gedichtes ausgedrückt. Das älteste Beispiel des türkischen Gedichtes wird im Jahr 329 in den Chinesischen Annalen nachgewiesen.
Der Ozan, auch Aşık genannt, verband das Gedicht mit der Musik, er wanderte mit seinem Instrument dem “kopuz”, spaeter in Anatolien “Saz” genannt, durch das Land. Der Ozan hat bei allen türkischen Volksgruppen einen hohen und wichtigen Stellenwert.
Das ehemalige türkische Gedicht, welches den Blickwinkel des türkischen Menschens, dessen gesellschaftliche und persönliche Probleme, seine Gefühle und Gedanken in reiner, schlichter und natürlicher Sprache wiedergab, hat sich in Anatolien in neue Formen gefügt.
Anfang des 11. Jahrhunderts entstand die türkische Literatur mit einer neuen Stimme und einem neuen İmage. Das mit den religiösen Vorschriften belastene mystische Gedicht wurde durch die verschiedenen Eigenschaften der Sekten jeweils verschieden interpetiert und ist dadurch im Kern gleich, jedoch in der İnterpretation anders, wodurch Aşık Meister des “Saz und Söz” (Instrument und Wort) wie Ahmet Yesevi, Yunus Emre, Kaygusuz Abdal, Kazak Abdal, Pir Sultan Abdal, Karacaoğlan, Dadaloğlu, Köroğlu und weitere heranwuchsen.
Die nach Anatolien gekommenen Türken, haben sich in Stämmen und Völkern ausgeweitet, deren türkischer Dialekt die anatolische Stammsprache hervorbrachte. Die von den Sultanen des Selçuken Reiches genutzte Staatssprache war Arabisch, wobei die wisschenschaftliche Sprache Persisch war. Dies führte dazu, dass die türkische Sprache sich nicht weiterentwickeln konnte und verhinderte das Entstehen von wichtigen türkischsprachigen Werken. Dies ist der Grund dafür, dass Mevlana seine Werke auf Persisch schrieb. Yunus Emre mit seiner überwältigenden Sprachkraft ist allen ihm nachfolgenden Dichter ein Vorreiter.
Die auch als klassische Literatur bekannte Divan Literatur hat zwischen dem 13. bis 19. Jahrhundert den Bedürfnissen der höheren Gesellschaft (high society) gedient, wobei das anatolische Volk dem Aşık Ritual verbunden blieb und diese weiterführte.
Durch die Entstehung der Divan Literatur hat das türkische Gedicht seine Existenz als zwei verschiedene und gegensaetzliche literarische Disziplinen weitergeführt, eines als volkstümliches Gedicht, das zweite als Divan Gedicht.
Nach der ekonomischen, sozialen und kulturellen Verschlechterung im osmanischen Reich hat sich das Gedicht nach der Ausrufung der Tanzimat Reformen 1860 und spaeter nach dem 1. Welt Krieg nach Gründung der türkischen Republik neuen Entwicklungen gewidmet.
In diesem Sinne möchte ich meine Rede mit den Worten von Yunus Emre beenden: „Kommt, lasst uns Bekanntschaft schließen. Lasst die Dinge schlichter fließen. Lasst uns lieben und geliebt werden. Diese Welt bleibt doch keinem. “ (Komm, wir wollen uns kennenlernen, Uns das Leben erleichtern, Lasst uns lieben und geliebt werden, Diese Welt bleibt doch keinem)

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag und eine spannende Veranstaltung. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.